Verstehen kommt vor Erklären
Man kann nichts glaubwürdig vermitteln, das man nicht selbst durchdrungen hat. Dieser Satz ist für mich kein Motto, das gut auf eine Website passt, sondern die Grundlage meiner Arbeit als Dozent und Ausbilder. Ich lehre nicht aus Büchern, sondern aus Erfahrung — aus dem Wasser, aus der Produktion, aus dem Wettkampfumfeld. Was ich weitergebe, habe ich zuerst selbst erlebt, geprüft und verstanden. Erst dann steht es vor Menschen, die es lernen wollen.
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Ein großer Teil dessen, was heute als Wissensvermittlung durchgeht, ist in Wahrheit das Weiterreichen von Informationen, die niemand selbst erlebt hat. Sauber strukturiert, gut aufbereitet — aber ohne eigene Deckung. Ich glaube nicht an diese Art des Lehrens. Ich glaube an die andere: die Weitergabe von Erfahrung, die durch den eigenen Körper und die eigene Praxis gegangen ist.
Warum ich erst verstehen muss, bevor ich lehre
Ich konnte digitales Storytelling nicht unterrichten, ohne visuelles Erzählen selbst bis auf den Grund durchdrungen zu haben. Und ich konnte Freediving nicht lehren, ohne die Essenz des Trainings zuvor selbst verinnerlicht zu haben. Das ist keine Bescheidenheit, sondern eine Arbeitsregel.
In der Theorie sehe ich den Erkenntnisgewinn, in der Praxis den Mehrwert — und das eine kommt ohne das andere nicht aus. Wer nur die Theorie kennt, bleibt abstrakt; er kann erklären, wie etwas funktionieren müsste, aber nicht, wie es sich anfühlt, wenn es zählt. Wer nur die Praxis kennt, kann etwas hervorragend, aber nicht weitergeben. Meine Aufgabe liegt genau dazwischen: verstehen, warum etwas funktioniert, und es dann so vermitteln, dass andere es selbst verantworten können.
Das verändert die Art, wie ich lehre. Ich will nicht, dass Menschen mir glauben. Ich will, dass sie verstehen — so tief, dass sie das Gelernte selbst durchdringen und irgendwann selbst weitergeben können. Gute Vermittlung, das ist meine feste Überzeugung, macht sich am Ende überflüssig. Wer richtig lehrt, produziert keine Abhängigen, sondern Menschen, die es künftig ohne ihn können.
Vom Hörsaal bis zum Beckenrand
Meine Lehrtätigkeit spielt sich in sehr verschiedenen Räumen ab, und genau diese Bandbreite hält sie lebendig. Was ich in einem Kontext lerne, fließt in die anderen zurück.
An der Hochschule unterrichte ich digitales Storytelling und Social Media. Dabei geht es mir nie nur darum, wie man Reichweite erzeugt, sondern wie man Substanz sichtbar macht — wie aus echter Arbeit glaubwürdige Kommunikation wird. Der Unterschied zwischen laut und klar ist dabei das eigentliche Thema. Reichweite ohne Substanz verpufft; Substanz ohne Sichtbarkeit bleibt ungehört. Beides zusammenzubringen, ohne sich dabei zu verbiegen, ist die eigentliche Kunst.
In der schulischen Arbeit denke ich Technik und Verantwortung zusammen. Junge Menschen sollen nicht nur lernen, Werkzeuge zu bedienen, sondern verstehen, was hinter ihnen steckt und welche Haltung ihr Einsatz verlangt. Bildung heißt für mich, mündig zu machen, nicht abhängig. Gerade in einer Zeit, in der Technik immer mehr Entscheidungen abnimmt, halte ich das für wichtiger denn je: Die Frage ist nicht, ob die Maschine dem Menschen dient — oder der Mensch am Ende der Maschine.
Und im Sport bilde ich Trainerinnen und Trainer aus. Hier zeigt sich am deutlichsten, was gute Vermittlung ausmacht. Ein Trainer muss nicht nur selbst können, sondern erklären, absichern und Verantwortung übertragen können. Wissen, das sich nicht weitergeben lässt, bleibt wertlos — es stirbt mit dem, der es hat. Der ganze Sinn von Ausbildung liegt darin, Können vervielfältigbar zu machen.
Was Zusammenarbeit tragen lässt
So verschieden diese Räume sind — Hochschule, Schule, Sport —, so ähnlich ist der Kern. Es geht nie nur um Technik, sondern immer um Haltung. Ein Vortrag, ein Workshop, ein Lehrauftrag: Die Form richtet sich nach dem Ziel, nicht umgekehrt.
Am liebsten arbeite ich erzählend. Was der Spitzensport über Führung, Vertrauen und Ruhe unter Druck lehrt, lässt sich übertragen — auf Unternehmen, auf Teams, auf jede Situation, in der Menschen unter Anspannung zusammenarbeiten und Verantwortung teilen müssen. Ich halte nichts von Theorie-Marathons. Ich glaube an Geschichten, die etwas hängen lassen, und an Formate, aus denen die Teilnehmenden nicht mit Notizen nach Hause gehen, sondern mit etwas, das sie selbst erarbeitet haben.
Denn am Ende führt alles auf denselben Punkt zurück, mit dem ich begonnen habe: Ich vertrete nichts, das ich nicht durchdrungen habe — und ich gebe nichts weiter, was ich nicht selbst lebe. Alles andere wäre nur Weiterreichen. Und Weiterreichen ist nicht Lehren.
Das ist jetzt ein echter Blogartikel: durchgehender Gedankengang, Titel als Haken, kein Verkaufs-CTA am Ende, sondern eine Pointe, die zum Anfang zurückführt. Er endet auf deinem Leitsatz — das rundet ihn und macht ihn teilbar.
Zwei Dinge zum Prüfen: Ich habe die Steiner-Frage ("dient die Maschine dem Menschen") dezent eingewoben, weil sie zu deinem Schulkontext passt — falls dir das auf einem öffentlichen Blog zu weltanschaulich ist, nehme ich sie raus. Und der Text siezt niemanden mehr (Blogtexte kommen ohne direkte Anrede aus), was gut zu einem Logbuch-Eintrag passt. Sag, ob der Ton so sitzt — und ob ich dir aus den anderen beiden Seiten (Wasser, Fotografie) ebenfalls Blogfassungen machen soll.
